Für die Zeit vom 28. November 2006 bis 15.Dezember 2008
Aus Kolumbien erreichen uns gute und schlechte Nachrichten.
Die guten betreffen die zunehmend bessere Sicherheits- und Wirtschaftslage ,
die mit den militärischen Erfolgen der Regierung und der
Schwächung der FARC-Rebellen einhergeht. Die Befreiung der
entführten Franco-Kolumbianerin Ingrid Betancourt hat die ganze Welt aufatmen lassen.
Die schlechten Nachrichten beziehen sich auf die immer noch bewaffneten Paramilitärs,
von denen nur ein Teil ins Zivilleben zurückgekehrt ist und die
auf eigene Faust kriminelle Akte wie in der Vergangenheit verüben.
Ihre Verbindungen reichen bis in das gewählte Parlament und in den
Staatsapparat. Die ganz besonders schlechten Nachrichten sind
klimabedingt: es soll seit achtzehn Monaten ununterbrochen regnen , ganze Dörfer sind durch Bergrutsche verschüttet und es kann nicht geerntet werden.
Auch die Bauwirtschaft liegt brach. In
Medellín sind der Stadtverwaltung die flußnahen
Grundstücke weggeschwemmt worden, die für den sozialen
Wohnungsbau vorgesehen waren. Dadurch wurde die Zusage für eine
eigene Wohnung für Da. Estella Salazar und ihre vier Enkel durch
das städtische Wohnungsprogramm hinfällig.
Unsere Projektarbeit hat sich in den
letzten beiden Jahren auf größere Vorhaben konzentriert:
einmal auf die Errichtung des erdbebensicheren neuen Schulhauses der
spanischen Marianista-Schwestern und seiner Einrichtung in Bogotá , das 2008 bezogen werden konnte, und zum anderen auf die Friedensarbeit des Paters Giovani Présiga ,
die mehr als 3000 Kinder und Jugendliche erreicht. Pater Giovani
versucht als rechte Hand des Erzbischofs von Santa Fe de Antioquia die
Jugend des kriegsgeschüttelten Westens von Antioquia auf dem Lande zu behalten und
führt dazu mit seinen Helfern vielverspre-chende kulturelle,
pädagogische und technische Programme durch. Wir unterstützen
ihn dabei mit Hilfe der Sternsingerkinder aus Mannheim-Neuostheim und
Maxdorf. ( s. Projekte
1 und 3 /2008)
Unsere alte Freundin Schwester Maria Teresa Mejía, mit der wir vor neun Jahren das Landjugendinternat in Tititiribí ins
Leben gerufen haben, hat sich in ihrem Ruhestand so weit erholt, dass
sie zusammen mit ihrem Konvent vom Guten Hirten Flüchtlingskindern
auf
den Straßen der Großstadt Palmira
(Cauca-Tal) Zuflucht und Betreuung in den Räumen der
Ordensgemeinschaft bietet. Wir haben ihr gerade Stipendien,
Computerkurse und Einrichtungsgegenstände für den Leseraum
bewilligt. ( s. Projekt 2 /2008 )
Nach wie vor beschäftigen uns die etwa dreißig Stipendiaten ,
denen wir den Schulbesuch ermöglichen. Unser Freund Siegfried
Striegel hat in diesem Jahr nur noch die zwölfjährige Erika betreut.
Sie war das Baby der im Jahr 1996 verstorbenen Esperanza
Sánchez. Die anderen Kinder sind erwachsen und leben in normalen
Verhältnissen. Die Marianista-Schwestern fördern weiter 25
mittellose Kinder im Colegio Madre Adela, das jetzt zu einem Aufbaugymnasium ausgebaut wird.
Wilson Botero , der
Zwilling, dem wir vor einigen Jahren zusammen mit seinem Bruder das
Abitur ermöglicht haben, ist inzwischen diplomierter IT-Ingenieur
und hat den von uns gewährten Studienkredit zurückgezahlt.
Große Sorgen bereitet uns die von Miriam Wagner betreute Estella Salazar mit
ihren vier verwaisten Enkeln. Letztere waren bisher in einem Internat
der Salesianer untergebracht. Im letzten Jahr hat die dortige
Internatsleitung die Aufnahmebedingungen geändert, ältere
Schüler werden nicht mehr aufgenommen. So kamen alle vier
Jugendlichen in das kleine Zimmer der schwer kranken Großmutter
und gingen von dort weiter in ihre alten Schulen.
Ihre Leistungen haben sehr nachgelassen.
Zur Zeit versuchen wir zu klären, warum die staatliche
Fürsorge (Bienestar Familiar) die Familie nicht unterstützt.
Die von der Stadt zugesagte Wohnung ist, wie oben erwähnt,
„ins Wasser gefallen“. So haben wir der Familie
zusätzlich eine Mietzuwendung in Höhe von eintausend Euro
geben müssen. Die Enge und die Krankheit der Großmutter
haben den 14-jährigen Enkel Wilmar Alexander so bedrückt,
dass er das Haus verlassen hat. Monatelang wußte niemand, wo er
war, auch die Schule nicht. Doch jetzt ist er wieder aufgetaucht und
lebt in der Familie. Wir fördern alle vier Kinder auch 2009.
Im Jahr 2008 haben wir vielfältige
Hilfe für unsere Projekte erhalten: die Haidwaldschule und ihre
Kinder haben uns am „Kolumbientag“ wieder eine schöne
Summe erspielt und mit Schuheputzen und Taschentragen
„erarbeitet“. Unser Mitglied Karin Schramm und
ihr Bekanntenkreis sowie viele langjährige Förderer
überraschen uns immer wieder mit großzügigen Gaben.
Unser neues Mitglied Frank Holler hat zu seinem 40. Geburtstag auf
Geschenke zu unseren Gunsten verzichtet und Dr. Rähmer hat sein
Fest zum dreißigjährigen Bestehen seiner Praxis unter das
Motto „Strassenkinderhilfe Kolumbien“ gestellt.
Vor Kolumbien liegt jetzt die
mühevolle Arbeit des Wiederaufbaus gemeinschaftlicher Werte, die
die Spirale von Gewalt und Rache lösen müssen. Viele
traumatisierte Kinder bedürfen der Therapie durch liebevolle
Menschen. Wie Pater Présiga und seine Organisation CARED
bemühen sich auch andere Organisationen, z.B. „Germen de
Paz“ in Medellín, um eine nachhaltige Friedensarbeit.
Dabei wollen wir sie begleiten.
Unser kleiner Verein hat gegenwärtig
35 Mitglieder, die mit ihren Beiträgen das Spendenaufkommen
aufstocken. Wir sind unseren Freunden und Förderern zutiefst
für die jahrelange Unterstützung dankbar und
grüßen Sie mit allen guten Wünschen für 2009.
Im Namen des Vorstands
gez. Irene Roemer
(1. Vorsitzende)
Zwischenbericht über unsere Tätigkeit in Kolumbien 2008
Liebe Freunde und Mitglieder unserer Strassenkinderhilfe Kolumbien,
Die guten Nachrichten aus Kolumbien
über die zunehmenden militärischen Erfolge der Regierung
Uribe führen hoffentlich dazu, dass die kolumbianische Regierung
mehr Mittel und Kräfte für den Aufbau des Friedens im Lande
zur Verfügung hat. Die gute gesamtwirtschaftliche Lage der letzten
Jahre hat sich fortgesetzt. In den Städten ist die Sicherheitslage
zum ersten Mal seit vielen Jahren normal, was auch unseren
Hilfsprogrammen zugute kommt, allerdings hat auch die Inflation
angezogen.
Neben der Weiterförderung unserer Stipendiaten haben sich die beiden Projekte dieses Jahres gut entwickelt. Pater Giovani Présiga
hat die diesjährige Spende der Sternsinger von Maxdorf in der
Diözese Santa Fe de Antioquia dazu verwandt, benachteiligte Kinder
aus ländlichen Gegenden mit Schulbüchern und anderen
Schulutensilien zu versehen und ihnen Programme zur Freizeitgestaltung
innerhalb ihrer eigenen Tradition mit Musik und Tanz zu
ermöglichen. Gegenwärtig hat er wegen des Dauerregens
Schwierigkeiten mit den Transportwegen, da einige Dörfer weit im
Landesinneren liegen.
Vom Colegio Madre Adela
in Bogotá erwarten wir die Schlussabrechnung über den auch
mit unserer Hilfe vollendeten Innenausbau des neuen erdbebensicheren
Schulhauses. Sobald wir Fotos mit Innen- und Aussenansichten des
Gebäudes haben, stellen wir diese ins Internet.
Von Schwester Teresa Mejía, mit der wir vor acht Jahren das Landjugendinternat in Titiribi
ins Leben gerufen haben, kam ein Antrag auf ein Mädchenwohnheim in
Palmira, wo sie ihren Lebensabend verbringt. Leider können wir
diesem nicht entsprechen, da er unsere Mittel bei weitem
übersteigt. (50.000 Dollar)
Auch in diesem Jahr hat uns die
Haidwaldschule in Maxdorf mit ihren Kolumbienaktivitäten
tat-kräftig unterstützt, unser Vereinsmitglied Frank Holler
hat an seinem 50. Geburtsag Geld für unsere Projekte gesammelt und
Herr Dr. Rähmer hat anläßlich des
dreißigjährigen Bestehens seiner Praxis in Maxddorf zu
Spenden zugunsten der Strassenkinderhilfe Kolumbien aufgerufen.
Von den begünstitgten Kindern und
Institutionen in Bogotá, Medellín und Santa Fe de
Antioquia haben wir große Dankbarkeit erfahren, die wir an Sie,
unsere Freunde und Förderer, weitergeben möchten.
Im Namen des Vorstands
grüßt Sie herzlich
Ihre Irene Roemer
für die Zeit vom 29. November 2005 bis 27. November 2006
Vor dem Hintergrund eines allgemeinen
Optimismus in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Lage nach
der Wiederwahl des erfolgreichen Staatspräsidenten Álvaro
Uribe verunsichern widersprüchliche Meldungen die Beobachter
Kolumbiens. Auf der einen Seite ist die Sicherheitslage in den
Städten stark verbessert worden, die Frankfurter Allgemeine
Zeitung nannte Bogotá am 13. Mai 2006 „eine der sichersten
Metropolen weit und breit“, auf der anderen Seite hat die
Regierung das Land immer noch nicht unter Kontrolle.
Neben der Stagnation in der Bekämpfung der linksgerichteten
Terrorgruppe FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias Colombianas)
bekommen die Erfolgsmeldungen über die Entwaffnung des
einflußreichen Anführers der „Vereinten
Selbstverteidigungskräfte“ (AUC), Jorge Cuarenta, einen
Dämpfer. Gegen den Chef des „nördlichen Blocks“
ermittelt die Staatsanwaltschaft in Bezug auf den Wahrheitsgehalt der
Waffenabgabe von 2.500 Kämpfern, deren Demobilisierung eine Farce
zu sein scheint. In dem Laptop Cuarentas fanden die Ermittler folgenden
Befehl: „Bereite sie auf die Waffenabgabe vor, damit sie
wenigstens marschieren können und unsere Hymne kennen“. Bei
den „Kämpfern“ scheint es sich um kurzfristig
angeheuerte Außenstehende zu handeln! (Quelle: Torsten Otto am
18.10.2006 in Telepolis, „Alle Märkte stabil“).
Bereits in unserem letztjährigen Bericht haben wir das in den
Medien groß aufgemachte Programm zur Rückkehr 20.000
Kämpfern in das Zivilleben dargestellt. Ein umfassendes
Amnestiegesetz sollte die Befriedung des Landes erreichen. Inwieweit
dies gelingt, müssen wir abwarten. In Medellín vermeldet
jedenfalls die Stadtverwaltung gute Erfolge bei Umschulungen der jungen
Paramilitärs.
Was bedeuten solche Nachrichten für unsere Arbeit?
Der Bürgerkrieg geht auf dem Lande weiter. Nach wie vor suchen
viele Flüchtlinge Schutz in den Städten. Im Gegensatz zu
früher gibt es jetzt offizielle Hilfe: In Ciudad Bolivar, dem
südlichen Armenviertel von Bogotá, wo wir auf dem
Hügel „Bella Flor“ durch die Sozialarbeit unseres
Freundes Siegfried Striegel ständig gefordert waren (zuletzt durch
den Ausbau des Gemeinschaftshauses des Vereins „Laudes
Infantes“), gibt es nun staatliche Programme, durch die
registrierte Vertriebene Hilfen für Beschäftigung, Ausbildung
und Wohnungen erhalten. Die Regierung versucht außerdem, durch
Stationierung von Sicherheitskräften in bedrohten Gemeinden des
Inlandes den Menschen ein Verbleiben in ihrer Heimat zu
gewährleisten und hat bereits mit der Rückführung
etlicher Tausend Familien in befriedete Gebiete begonnen.
In unseren Projekten in Medellín und Bogotá spiegelt sich die veränderte Situation.
In Medellín hat die soziale Grundsicherung der armen
Bevölkerung zu verstärkter Nachfrage nach Leistungen in der
Krankenversorgung bei der Clínica Infantil Santa Ana
dazu geführt. Es werden mehr Kinder behandelt, die z.T.
länger im Hospital bleiben. Daher hat sich die Krankenhausleitung
entschlossen, das alte Projekt des Ausbaus der Spielterrasse zu einem
Spielraum zu verwirklichen. Dadurch wird für die Kinder und ihre
Familienangehörigen ein geschützter Raum zum Spielen,
Vorlesen, Filme ansehen und Musik hören geschaffen. Das Projekt
wurde vom Vorstand bewillig und ist bereits in der Endphase. Wir
erwarten täglich den Abschlußbericht.
Das Colegio Madre Adela hat
die behördlliche Auflage bekommen, das in den neunziger Jahren
auch mit unserer Hilfe eilig hochgezogene erste Schulgebäude
erdbebensicher zu machen. Die Marianista-Schwestern beabsichtigten
ohnehin, die Grundschule zu einer
Oberschule auszubauen und haben ein
Nachbargrundstück erworben, auf dem jetzt ein neues
Schulgebäude entstehen soll. Mit Hilfe des Mutterhauses, eigener
Ersparnisse und unserer Unterstützung wird nun das neue
Schulgebäude errichtet. Für die Einrichtung kommt das
Kindermissionswerk in Aachen in Betracht. Die Kinder sollen zum neuen
Schuljahr, d.h. ab Februar nächsten Jahres, das alte Gebäude
verlassen, das dann nachgerüstet wird. Zunächst werden die
dort vorhandenen Einrichtungen mitgenommen. Im Jahr 2006 haben wir
neunzehn Kindern mit einem Stipendium geholfen. 2007 werden es achtzehn sein.
Stipendien gingen auch an die Waisenkinder der Da. Esperanza, die von Siegfried Striegel betreut werden. Es sind dies noch Daisy (18) und die elfjährige Erika.
Für die verwaisten Enkelkinder der medelliner Bettlerin Estella Salazar wurden wieder Stipendien von Miriam Wagner
beantragt. Miriam betreut auch den hochbegabten Wilson Botero, der auf
ihr Anraten für sein letztes Informatik-Studienjahr einen Kredit
von uns erhält.
Im Mai 2006 erschütterte uns der Hilferuf von Andrés Felipe Tangarife (13),
ein Enkel der Estella Salazar. In einem Dankesbrief an die
Haidwaldschule in Maxdorf bat er darum, ihm wegen seiner
Wachstumsstörungen eine Hormonbehandlung zu ermöglichen. Die
Kinder der Haidwaldschule unternahmen alle Anstrengungen, die erbetenen
3000 Euro zu sammeln. An einem Samstag putzten sie den Maxdorfern die
Schuhe und halfen beim Verstauen von Einkaufstüten – wie die
Straßenkinder in Kolumbien. Großzügig spendeten die
Maxdorfer ihnen für diese Dienstleistungen mehr als tausend Euro.
Weitere zweitausend Euro kamen durch die Benefizveranstaltung zum Thema
Kolumbien am 13. Juni d.J. zustande. (s. Pressemitteilungen in unserem
Internet-Auftritt)
Leider konnten wir Andrés Felipe nicht helfen. Die aus
Medellín übersandten Röntgenaufnahmen und Arztberichte
ergaben als Diagnose eine metaphysäre Chondrodysplasie Typ Jansen,
d.h. eine genetisch bedingte Kleinwüchsigkeit. Der von uns
konsultierte Kinder-Endokrinologe, Prof. Markus Bettendorf von der
Universitätsklinik Heidelberg bestätigte, daß bei
diesem Krankheitsbild eine Hormon-Behandlung aussichtslos ist. Er riet
zur psychologischen Betreuung des Kindes, besonders während der
Pubertätszeit. Da die Schulleistungen des Kleinen sehr gut sind,
wird er nach Ansicht aller Beteiligter seinen Weg machen.
Unser Vereinsmitglied Karin Schramm hat
auch in diesem Jahr wieder eine größere Spendensumme mit
viel Mundpropaganda und ihren köstlichen Marmeladen erworben. Mit
Gisela Weimann und ihrem Schulorchester setzt die Maxdorfer
Haidwaldschule die traditionelle Unterstützung für unseren
Kinderverein fort. Das Ergebnis der Maxdorfer
„Kolumbientage“ (3000 Euro) unter Schirmherrschaft unseres
Mitglieds Theo Hauck ist ein Zeichen für die Hilfsbereitschaft der
Maxdorfer Bevölkerung.
Allen Förderern unseres Hilfswerks sagen wir im Namen der Schulkinder ein herzliches Dankeschön.
Die 33 Mitglieder unseres Freundeskreises
finanzieren nach wie vor alle Vereinsausgaben und auch in diesem Jahr
bleibt das Meiste aus diesem Topf für die Kinderprojekte
übrig. Es ist uns ein Anliegen erneut zu bestätigen,
daß jeder gespendete Euro direkt in die Projektarbeit
fließt.
Im Namen des Vorstands
gez. Irene Roemer
für die Zeit vom
23. November 2004 bis 28. November 2005
für die Zeit vom
10. Dezember 2002 bis 1. Dezember 2003
Nach
der verlorenen Volksbefragung vom 26. Oktober 2003 ist Kolumbiens
Präsident Álvaro Uribe in einer schwierigen Lage. Er hatte
sich von dem Referendum die dringend benötigte Stärkung
seiner Regierungsmacht erhofft. Das politische System ist in sich
bekämpfende Fraktionen zerfa1mterschacher als von
Regierungsverantwortung. Uribes Politik der "harten Hand"
gegenüber den Aufständischen im Land wird von vielen
Parlamentariern nicht geteilt. Aus eigensüchtigen Gründen
bleiben Senatoren und Abgeordnete den Abstimmungen über
Reformprojekten fern. So ist das Schicksal der Steuerreform, die der
Staatskasse über 700 Millionen Dollar ersparen sollte,
ungewiß. Für die vom Staatspräsidenten gewünschte
Wiederwahlmöglichkeit für weitere vier Jahre ist
gegenwärtig keine Mehrheit zu erwarten.
Völlig unvorbereitet
trifft nun Parlament und Regierung die im
Friedensprozeß angestrebte Demobilisierung der gefürchteten
rechtsgerichteten Paramilitärs (AUC), die Ende November in
Medellín mit 870 Mann begonnen hat. Gesetze zu einer
Wiedereingliederung vormals illegaler bewaffneter Gruppierungen sind
nicht vorhanden. Auch die Zivilgesellschaft wurde durch die
Niederlegung der Waffen der Paramilitärs überrascht. Bis Ende
2005 wollen alle 13.000 Kämpfer in den Friedensprozeß
aufgenommen sein. Noch weiß niemand, wo sie unterkommen und wie
die Bußen aussehen sollen, die für die z.T. schweren
Straftaten der Aufständischen wenigstens symbolisch auferlegt
werden müßten. Beobachter befürchten, daß
aufgrund der fehlenden Sozialprogramme die friedensbereiten
Kämpfer wieder im Untergrund landen. Aus unseren Projekten in
Kolumbien, die alle in Städten abgewickelt werden, hören wir,
daß sich zwar die Sicherheitslage gebessert hat, doch daß
die wirtschaftliche Not aufgrund des andauernden Kriegszustandes und
der vielen Landflüchtlinge gestiegen ist. Besonders
betroffen sind Familien, die durch den Mangel an Arbeitsplätzen,
dem vorübergehenden Versiegen der staatlichen Fürsorge und
oft schwerer Krankheiten dringend auf private Hilfe angewiesen sind.
Daher steigt die Zahl der Stipendienanträge. Waren es bisher 23,
werden es 27 Kinder für 2004 sein, die unsere
Unterstützung brauchen. (Im Jahr 2001 hatten wir nur 12
Stipendiaten). Achtzehn werden von den Marianista-Schwestern des
Colegio Madre Adela in Bogotá gefördert. Die
erschütternde Beschreibung der Stipendienanwärter werden wir
ins Internet stellen. Auf Bitte von Luisa Quintero, der
ehemaligen Leiterin des Landjugendinternats in Titiribí (1996
mit unserer Hilfe ins Leben gerufen), haben wir die
sechzehnjährigen Zwillinge
Wilmar und Wilson für ihr letztes Jahr vor dem Abitur in unser
Programm aufgenommen. Ihr Internat "Santo Domingo Sabio" in
Itaguí kämpft um seine Existenz und kann sie nicht gratis
aufnehmen. Zu ihrem Glück hat sich Miriam Wagner, unsere
Vertrauensfrau von ASPA (Rückkehrervereinigung
der Studenten, die in Deutschland studiert haben: Asociación
Antioqueña de Profesionales con Estudios en Alemania),
entschlossen, sie zusammen mit den Stipendiaten der Familie Salazar zu
betreuen. Unser
Freund Siegfried Striegel kümmert sich nach wie vor um die vier
Waisenkinder der Doña Esperanza (+ 1997). Die sechsjährige
Erika wurde ihm Anfang d.J. zurückgebracht, da ihrem Pflegevater
Organista das Taxi geraubt worden war. Organista verließ
daraufhin Bogotá und kehrte mit seiner Familie in
sein Heimatdorf zurück. Erika ist jetzt im zweiten Schuljahr und
lebt in Chia im Internat mit ihrer Schwester Daisy (15).Gute Erfolge
zeigen sich bei der privaten Armenkinderklinik Santa Ana. Sie kann u.a.
auch durch unsere Förderung die staatlichen Auflagen
erfüllen, die ihr die Aufnahme von mehr Kassenpatienten, und damit
höhere Einnahmen, ermöglicht. Wir haben
Sanierungsmaßnahmen (z.B. bei den Wassertanks) und die
Anschaffung von Infusionsgeräten und Instrumenten finanziert.
Jetzt sind die räumlichen und personellen Kapazitäten besser
ausgelastet und es bleiben der Klinik Mittel zur
Durchführung des Rettungsprogramms für unterernährten
Kleinkinder, das von keiner Krankenkasse bezuschußt wird und das
sehr teuer ist (870 Dollar pro Monat und Kind): Auch Schwester Christel
Müller in Pereira ist glücklich über die Hilfe zur
Sanierung des maroden Gebäudes des Kinderhorts im Vorort
Dosquebradas. Mit vereinten Kräften haben das Kindermissionswerk
in Aachen und wir Mittel zur Beseitung von Feuchtigkeitsschäden am
Gebäude, für Regenrinnen und Drainagen bereitgestellt. In dem
mit unserer Hilfe erworbenen Internat des Medelliner Vereins Pan de
Vida wachsen sechzehn Mädchen aus dem Slum Niquitao heran, deren
Heimat die Straße war. Alle haben das Schuljahr mit gutem Erfolg
beendet. In diesem Jahr wurden die von der Staatlichen Fürsorge
"Bienestar Familiar" geforderten zusätzlichen sanitären
Anlagen von uns finanziert. Dadurch kann das Internat ab 2004 zwanzig
Mädchen aufnehmen und wird in die Förderung der
staatlichen Wohlfahrt übernommen. Das Colegio Madre Adela in
Bogotá hat im Jahr 2003 Sonnenschutzblenden erhalten und
zugleich eine Bücherspende für die Bibliothek. Diese kam
durch die Flohmarktaktion zweier Maxdorfer Grundschulklassen zustande. Neu
in unserem Programm ist der Kindergarten Los Musicantes der deutschen
Farmerin Christine Noack in Subachoque bei Bogotá. Frau Noack
bietet den ärmsten Kindern aus der Umgebung ihrer kleinen Viehfarm
eine Kindergartenbetreuung. Mit der Übernahme des Jahreslohnes
für eine ausgebildete Kindergärtnerin sichern wir 25 Kindern
eine Vorschulerziehung. Im
Berichtszeitraum haben wir wieder große Unterstützung von
den Maxdorfer Grundschulen erhalten. Dies ist dem unermüdlichen
Einsatz unseres Mitglieds, der Musiklehrerin Gisela Weimann, zu
verdanken. Auch Karin Schramm hat mit ihrem Frauenarbeitskreis und dem
Verkauf von rund 2000 Gläsern selbstgemachter Marmelade den
Schulbesuch vieler Kinder in Kolumbien gesichert. Eine freudige
Überraschung war für uns alle der Erfolg der Sammlung zum
25-jährigen Praxisjubiläum von Dr. Ekkehard Rähmer. Das
Ergebnis ermöglicht eine größere Investition im
näcu besuchen! (Adresse im Briefkopf) Im Berichtszeitraum haben
wir drei neue Mitglieder aufgenommen. Gisela Bercio leistet uns
u.a. wertvolle Hilfe bei der Übersetzung der Kinderbriefe,
etwa an die Sternsinger, die uns in Neuostheim eine große Summe
ersungen haben.Mit den Beiträgen der nunmehr 33 Mitglieder
können wir alle Unkosten des Vereins abdecken, ein großer
Teil bleibt dabei sogar noch für unsere Kinderarbeit in Kolumbien.
Das bedeutet: Jeder gespendete Euro geht wie bisher ungeschmälert
in unsere Projekte.
Im Namen des Vorstandes:
gez. Irene Roemer
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