STRASSEN KINDERHILFE
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TÄTIGKEITSBERICHTE DES VORSTANDES

TÄTIGKEITSBERICHT DES VORSTANDES IM JAHR 2010

Das Kollegium und die Kinder der Haidwaldschule in Maxdorf haben an ihrem letztjährigen Kolumbienabend wieder eine schöne Summe gesammelt. Mit selbst gebastelten Drachen und Bucheinlegern, kulinarischen Kleinigkeiten, dem traditionellen Schuheputzen und Singen und Spielen erfreuten sie die zahlreichen Besucher. Regieführend bei dieser Veranstaltung war die Schulleiterin Fr.  Kassel, Grußworte sprachen Fr. Verbandsbürgermeisterin Klein und der Ortsbeigeordnete Hr. Kiefer.

Einige Wochen vorher verbrachten wir in der Haidwaldschule einen informativen Vormittag. Zu Besuch war Pater Giovani Présiga, der den Kindern der 4. Klasse Rede und Antwort zu der Situation und den Projekten in Kolumbien stand. Es begleitete uns das Lehrerkollegium mit Fr. Kassel. Von Seiten der Sternsingeraktion waren anwesend: Fr. Uhlen aus Mannheim-Neuostheim und Fr. Leupold aus Maxdorf.

Unsere Projektarbeit mit Pater Giovani Présiga hat sich in den letzten Jahren verstärkt. Momentan unterstützen wir erneut ein Programm der CARED. Diese Organisation der Erzdiözese Santa Fé de Antioquia trägt die Verantwortung für Bildung und soziale Entwicklung in den ländlichen Gebieten des Bistums. Um der Landflucht der Jugend entgegenzuwirken, soll eine größere Zahl junger Menschen aus2010 Presiga 1 zehn Landgemeinden in dem Projekt „Dezentrale Förderung für Jugendliche aus bäuerlichen Familien“ ausgebildet werden. Hierbei übernimmt das Kindermissionswerk in Aachen die Hälfte der Kosten.

Auch wenn sich die Sicherheitslage in Kolumbien mittlerweile gebessert hat, sind die Chancen für junge Menschen ohne berufliche Ausbildung sehr schlecht und immer noch flüchten viele Jugendliche in die Stadt auf der Suche nach einem besseren Leben. Aber auch in den großen Städten Kolumbiens ist es selbst mit einer fundierten 2010 Presiga 2Ausbildung, nicht so einfach Fuß zu fassen. Die Arbeitslosenquote liegt dort offiziell bei über 15 Prozent. 47 Prozent der Arbeitslosen sind junge Menschen.

CARED hat deshalb zehn Schwerpunkt-Gemeinden in der Provinz ausgewählt, in denen Kinder und Jugendliche ab der 6. Klasse neben der allgemeinen Schulbildung spezielle technische und naturwissenschaftliche Kenntnisse für eine Tätigkeit auf dem2010 SENA Lande erhalten sollen. Dabei geht es um die Vermittlung landwirtschaftliche Kenntnisse, um Lebensmittelproduktion mit umweltfreundlichen Technologien sowie um Vermittlung von kaufmännischen Fähigkeiten und solidarischem Handeln. Die diesjährigen Sternsinger-Aktionen aus Mannheim-Neuostheim und Maxdorf unterstützen dieses Projekt.

Seit Jahren schon vergeben wir etwa 20 Stipendien an Schüler des Colegio Madre Adela. Die Stipendiaten werden von unserer langjährige Partnerin Madre Maria Dolores ausgewählt.

Es handelt sich immer um Kinder, die ohne diese Hilfe die Schule nicht besuchen könnten.

Familie Salazar die von Miriam Wagner betreut wird, hat in Moment das Problem, eine Ausbildung für zwei der Jugendlichen zu bekommen. Wir haben die Situation Pater Présiga geschildert und ihn gebeten, uns zu helfen, in seinen Projekten, einen Platz für die Beiden zu finden. Die zur Ausbildung des jüngsten noch schulpflichtigen Kindes anfallenden Kosten, werden wir auch zukünftig übernehmen.

Wir schließen mit einem herzlichen Dankeschön an alle Förderer und die 36 Mitglieder unseres kleinen Vereins, die mit ihren Spenden und Beiträgen die Unterstützung in Kolumbien ermöglichen.

Wir grüßen Sie mit allen guten Wünschen für 2011!

Im Namen des Vorstands

gez. Maritza Seitz


Für die Zeit vom 16.Dezember 2008 bis 30. November 2009

Im Berichtszeitraum hat sich unsere Arbeit auf vier Projekte konzentriert, deren Verwirklichung zum Teil noch im Gange ist.Sirviendo con Amor

1. Abgeschlossen ist das Projekt des Vereins „Sirviendo con Amor“ unter Leitung von Martha Lucía Flórez in Pereira, im Kaffeegebiet Riseralda, südlich von Medellín, in dem wir 36 Mädchen im Alter von sechs bis dreizehn Jahren die Ausstattung von Internatsplätzen ermöglicht haben. Die Kinder sollen dank der liebevollen pädagogischen Begleitung soweit stabilisiert werden, dass sie wieder in die Schule gehen können

2. Das große Schullabor-Projekt des Friedensmachers Pater Giovani Présiga in zehn 2009 Labor PresigaLandgemeinden der Diözese Santa Fé de Antioquia, westlich von Medellín, ist noch nicht abgeschlossen. Mit Hilfe eines integralen Bildungsprogramms will Pater Giovani, rechte Hand des Erzbischofs von Sta. Fé de Antioquia, Jugendlichen ab dem 7. Schuljahr die Möglichkeit eröffnen, nach dem Abitur bereits für einen landwirtschaftlichen Beruf vorbereitet zu sein. Dazu fördert er fundiertes naturwissenschaftliches Wissen und stattet die Bildungseinrichtungen auf dem Lande mit Schullabors aus. Durch diese Maßnahme soll der Landflucht entgegengewirkt werden.2009 Spezielle Kinder

3. Den Marianista-Schwestern des Aufbaugymnasiums Colegio Madre Adela in Bogotá haben wir  dieses Jahr neben 17 Stipendien für notleidende Grundschüler die Ausstattung eines besonderen Raums für lernbehinderte kleine Kinder genehmigt. Sobald wir Bildmaterial über diesen Unterricht in Händen haben, stellen wir dieses ins Internet.

4. In der Stadt Palmira im Caucatal hat unsere langjährige Partnerin, Schwester Maria Teresa Mejía, vom Orden des Guten Hirten, während ihres Rehabilitationsaufenthalts bei ihren Mitschwestern ein Projekt ins Leben gerufen, in dem sie halbwüchsige Flüchtlingsmädchen aus den Indianergebieten von der Straße geholt und eine Grundausbildung in moderner Bürotechnik ermöglicht hat. Außerdem wurden mit Hilfe von Fachkräften die kreativen Fähigkeiten der Mädchen in der Produktion von Kunsthandwerk und Modeschmuck gefördert.

Leider können wir nicht überall effektiv helfen.

5. Große Sorgen macht uns die Problemfamilie der Da. Estella Salazar aus San Cristóbal  / Medellín, die von Miriam Wagner betreut wird. Da. Estella lebte von der Bettelei und mußte notgedrungen, vier ihrer durch den Bürgerkrieg und Straßengewalt verwaisten Enkel aufnehmen. Die Frau ist inzwischen so schwer krank, dass sie das Bett nicht mehr verlassen kann. Im Berichtszeitraum wurde sie zweimal als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert. Dadurch waren die vier Jungen ohne eine ordnende Hand. Zwei von ihnen wichen nicht von ihrer Seite aus Angst, dass jetzt auch noch die Oma stirbt.

Ergebnis: sie wurden nicht versetzt und wiederholen gerade das 10. Schuljahr. Miriam Wagner hofft, dass sie nach dem 11. Schuljahr das Abitur machen können, ohne das es in Kolumbvien keine Ausbildung gibt. Da. Estella hat keine Rente und keinerlei staatliche Unterstützung. Alle Versuche von Miriam Wagner und ihren Büroangestellten in Medellín, die Lebenshaltung der Familie durch staatliche oder gemeinnützige Institutionen zu sichern, sind gescheitert. Der Bericht über die Bittgänge ist erschütternd. Ein Hoffnungsfunke ist die vage Zusage der Stadtverwaltung, der Familie in einem neuen Wohnprojekt in den Bergen oberhalb von Robledo eine Bleibe zu sichern. Zurzeit zahlen wir die Miete für das Zimmer der Fünf.

Unser Freund Siegfried Striegel in Bogotá wird in diesem Jahr achtzig Jahre alt. Er kann in seinem bisherigen Hilfsgebiet Bella Flor / Ciudad Bolivar, im Süden der Hauptstadt, nicht mehr tätig sein. Wegen der Kämpfe zwischen Paramilitärs und Guerrilla ist das Gebiet militarisiert. Die von ihm geretteten vier Waisenkinder der Da Esperanza Sánchez (*1997) stehen inzwischen, auch durch unsere Unterstützung, auf eigenen Füßen.

Unser Verein hat gegenwärtig 36 Mitglieder, deren Beiträge nicht nur die geringen Kosten unserer Arbeit tragen, sondern auch noch das Spendenaufkommen aufstocken. Jetzt steht ein Wechsel im Vorstand bevor:

Maritza Seitz wird Irene Roemer als Vorstandsvorsitzende ablösen. Letztere wird neben Michael Schröder als stellvertretende Vorsitzende weiterarbeiten.

 Im Namen des Vorstands

 (Irene Roemer, M.A.)

 1. Vorsitzende

 

Für die Zeit vom 28. November 2006 bis 15.Dezember 2008

Aus Kolumbien erreichen uns gute und schlechte Nachrichten.

Die guten betreffen die zunehmend bessere Sicherheits- und Wirtschaftslage , die mit den militärischen Erfolgen der Regierung und der Schwächung der FARC-Rebellen einhergeht. Die Befreiung der entführten Franco-Kolumbianerin Ingrid Betancourt hat die ganze Welt aufatmen lassen.

Die schlechten Nachrichten beziehen sich auf die immer noch bewaffneten Paramilitärs, von denen nur ein Teil ins Zivilleben zurückgekehrt ist und die auf eigene Faust kriminelle Akte wie in der Vergangenheit verüben. Ihre Verbindungen reichen bis in das gewählte Parlament und in den Staatsapparat. Die ganz besonders schlechten Nachrichten sind klimabedingt: es soll seit achtzehn Monaten ununterbrochen regnen , ganze Dörfer sind durch Bergrutsche verschüttet und es kann nicht geerntet werden.

Auch die Bauwirtschaft liegt brach. In Medellín sind der Stadtverwaltung die flußnahen Grundstücke weggeschwemmt worden, die für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen waren. Dadurch wurde die Zusage für eine eigene Wohnung für Da. Estella Salazar und ihre vier Enkel durch das städtische Wohnungsprogramm hinfällig.

Unsere Projektarbeit hat sich in den letzten beiden Jahren auf größere Vorhaben konzentriert: einmal auf die Errichtung des erdbebensicheren neuen Schulhauses der spanischen Marianista-Schwestern und seiner Einrichtung in Bogotá , das 2008 bezogen werden konnte, und zum anderen auf die Friedensarbeit des Paters Giovani Présiga , die mehr als 3000 Kinder und Jugendliche erreicht. Pater Giovani versucht als rechte Hand des Erzbischofs von Santa Fe de Antioquia die Jugend des kriegsgeschüttelten Westens von Antioquia auf dem Lande zu behalten und führt dazu mit seinen Helfern vielverspre-chende kulturelle, pädagogische und technische Programme durch. Wir unterstützen ihn dabei mit Hilfe der Sternsingerkinder aus Mannheim-Neuostheim und Maxdorf. ( s. Projekte

1 und 3 /2008)

Unsere alte Freundin Schwester Maria Teresa Mejía, mit der wir vor neun Jahren das Landjugendinternat in Tititiribí ins Leben gerufen haben, hat sich in ihrem Ruhestand so weit erholt, dass sie zusammen mit ihrem Konvent vom Guten Hirten Flüchtlingskindern auf

den Straßen der Großstadt Palmira (Cauca-Tal) Zuflucht und Betreuung in den Räumen der Ordensgemeinschaft bietet. Wir haben ihr gerade Stipendien, Computerkurse und Einrichtungsgegenstände für den Leseraum bewilligt. ( s. Projekt 2 /2008 )

 

Nach wie vor beschäftigen uns die etwa dreißig Stipendiaten , denen wir den Schulbesuch ermöglichen. Unser Freund Siegfried Striegel hat in diesem Jahr nur noch die zwölfjährige Erika betreut. Sie war das Baby der im Jahr 1996 verstorbenen Esperanza Sánchez. Die anderen Kinder sind erwachsen und leben in normalen Verhältnissen. Die Marianista-Schwestern fördern weiter 25 mittellose Kinder im Colegio Madre Adela, das jetzt zu einem Aufbaugymnasium ausgebaut wird.

Wilson Botero , der Zwilling, dem wir vor einigen Jahren zusammen mit seinem Bruder das Abitur ermöglicht haben, ist inzwischen diplomierter IT-Ingenieur und hat den von uns gewährten Studienkredit zurückgezahlt.

Große Sorgen bereitet uns die von Miriam Wagner betreute Estella Salazar mit ihren vier verwaisten Enkeln. Letztere waren bisher in einem Internat der Salesianer untergebracht. Im letzten Jahr hat die dortige Internatsleitung die Aufnahmebedingungen geändert, ältere Schüler werden nicht mehr aufgenommen. So kamen alle vier Jugendlichen in das kleine Zimmer der schwer kranken Großmutter und gingen von dort weiter in ihre alten Schulen.

Ihre Leistungen haben sehr nachgelassen. Zur Zeit versuchen wir zu klären, warum die staatliche Fürsorge (Bienestar Familiar) die Familie nicht unterstützt. Die von der Stadt zugesagte Wohnung ist, wie oben erwähnt, „ins Wasser gefallen“. So haben wir der Familie zusätzlich eine Mietzuwendung in Höhe von eintausend Euro geben müssen. Die Enge und die Krankheit der Großmutter haben den 14-jährigen Enkel Wilmar Alexander so bedrückt, dass er das Haus verlassen hat. Monatelang wußte niemand, wo er war, auch die Schule nicht. Doch jetzt ist er wieder aufgetaucht und lebt in der Familie. Wir fördern alle vier Kinder auch 2009.

Im Jahr 2008 haben wir vielfältige Hilfe für unsere Projekte erhalten: die Haidwaldschule und ihre Kinder haben uns am „Kolumbientag“ wieder eine schöne Summe erspielt und mit Schuheputzen und Taschentragen „erarbeitet“. Unser Mitglied Karin Schramm und ihr Bekanntenkreis sowie viele langjährige Förderer überraschen uns immer wieder mit großzügigen Gaben. Unser neues Mitglied Frank Holler hat zu seinem 40. Geburtstag auf Geschenke zu unseren Gunsten verzichtet und Dr. Rähmer hat sein Fest zum dreißigjährigen Bestehen seiner Praxis unter das Motto „Strassenkinderhilfe Kolumbien“ gestellt.

Vor Kolumbien liegt jetzt die mühevolle Arbeit des Wiederaufbaus gemeinschaftlicher Werte, die die Spirale von Gewalt und Rache lösen müssen. Viele traumatisierte Kinder bedürfen der Therapie durch liebevolle Menschen. Wie Pater Présiga und seine Organisation CARED bemühen sich auch andere Organisationen, z.B. „Germen de Paz“ in Medellín, um eine nachhaltige Friedensarbeit. Dabei wollen wir sie begleiten.

Unser kleiner Verein hat gegenwärtig 35 Mitglieder, die mit ihren Beiträgen das Spendenaufkommen aufstocken. Wir sind unseren Freunden und Förderern zutiefst für die jahrelange Unterstützung dankbar und grüßen Sie mit allen guten Wünschen für 2009.

Im Namen des Vorstands

gez. Irene Roemer

(1. Vorsitzende)

 

 

Zwischenbericht über unsere Tätigkeit in Kolumbien 2008

Liebe Freunde und Mitglieder unserer Strassenkinderhilfe Kolumbien,

Die guten Nachrichten aus Kolumbien über die zunehmenden militärischen Erfolge der Regierung Uribe führen hoffentlich dazu, dass die kolumbianische Regierung mehr Mittel und Kräfte für den Aufbau des Friedens im Lande zur Verfügung hat. Die gute gesamtwirtschaftliche Lage der letzten Jahre hat sich fortgesetzt. In den Städten ist die Sicherheitslage zum ersten Mal seit vielen Jahren normal, was auch unseren Hilfsprogrammen zugute kommt, allerdings hat auch die Inflation angezogen.

Neben der Weiterförderung unserer Stipendiaten haben sich die beiden Projekte dieses Jahres gut entwickelt. Pater Giovani Présiga hat die diesjährige Spende der Sternsinger von Maxdorf in der Diözese Santa Fe de Antioquia dazu verwandt, benachteiligte Kinder aus ländlichen Gegenden mit Schulbüchern und anderen Schulutensilien zu versehen und ihnen Programme zur Freizeitgestaltung innerhalb ihrer eigenen Tradition mit Musik und Tanz zu ermöglichen. Gegenwärtig hat er wegen des Dauerregens Schwierigkeiten mit den Transportwegen, da einige Dörfer weit im Landesinneren liegen.

Vom Colegio Madre Adela in Bogotá erwarten wir die Schlussabrechnung über den auch mit unserer Hilfe vollendeten Innenausbau des neuen erdbebensicheren Schulhauses. Sobald wir Fotos mit Innen- und Aussenansichten des Gebäudes haben, stellen wir diese ins Internet.

Von Schwester Teresa Mejía, mit der wir vor acht Jahren das Landjugendinternat in Titiribi ins Leben gerufen haben, kam ein Antrag auf ein Mädchenwohnheim in Palmira, wo sie ihren Lebensabend verbringt. Leider können wir diesem nicht entsprechen, da er unsere Mittel bei weitem übersteigt. (50.000 Dollar)

Auch in diesem Jahr hat uns die Haidwaldschule in Maxdorf mit ihren Kolumbienaktivitäten tat-kräftig unterstützt, unser Vereinsmitglied Frank Holler hat an seinem 50. Geburtsag Geld für unsere Projekte gesammelt und Herr Dr. Rähmer hat anläßlich des dreißigjährigen Bestehens seiner Praxis in Maxddorf zu Spenden zugunsten der Strassenkinderhilfe Kolumbien aufgerufen.

Von den begünstitgten Kindern und Institutionen in Bogotá, Medellín und Santa Fe de Antioquia haben wir große Dankbarkeit erfahren, die wir an Sie, unsere Freunde und Förderer, weitergeben möchten.

Im Namen des Vorstands
grüßt Sie herzlich

Ihre Irene Roemer

für die Zeit vom 29. November 2005 bis 27. November 2006

Vor dem Hintergrund eines allgemeinen Optimismus in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Lage nach der Wiederwahl des erfolgreichen Staatspräsidenten Álvaro Uribe verunsichern widersprüchliche Meldungen die Beobachter Kolumbiens. Auf der einen Seite ist die Sicherheitslage in den Städten stark verbessert worden, die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte Bogotá am 13. Mai 2006 „eine der sichersten Metropolen weit und breit“, auf der anderen Seite hat die Regierung das Land immer noch nicht unter Kontrolle.
Neben der Stagnation in der Bekämpfung der linksgerichteten Terrorgruppe FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias Colombianas) bekommen die Erfolgsmeldungen über die Entwaffnung des einflußreichen Anführers der „Vereinten Selbstverteidigungskräfte“ (AUC), Jorge Cuarenta, einen Dämpfer. Gegen den Chef des „nördlichen Blocks“ ermittelt die Staatsanwaltschaft in Bezug auf den Wahrheitsgehalt der Waffenabgabe von 2.500 Kämpfern, deren Demobilisierung eine Farce zu sein scheint. In dem Laptop Cuarentas fanden die Ermittler folgenden Befehl: „Bereite sie auf die Waffenabgabe vor, damit sie wenigstens marschieren können und unsere Hymne kennen“. Bei den „Kämpfern“ scheint es sich um kurzfristig angeheuerte Außenstehende zu handeln! (Quelle: Torsten Otto am 18.10.2006 in Telepolis, „Alle Märkte stabil“).
Bereits in unserem letztjährigen Bericht haben wir das in den Medien groß aufgemachte Programm zur Rückkehr 20.000 Kämpfern in das Zivilleben dargestellt. Ein umfassendes Amnestiegesetz sollte die Befriedung des Landes erreichen. Inwieweit dies gelingt, müssen wir abwarten. In Medellín vermeldet jedenfalls die Stadtverwaltung gute Erfolge bei Umschulungen der jungen Paramilitärs.

Was bedeuten solche Nachrichten für unsere Arbeit?
Der Bürgerkrieg geht auf dem Lande weiter. Nach wie vor suchen viele Flüchtlinge Schutz in den Städten. Im Gegensatz zu früher gibt es jetzt offizielle Hilfe: In Ciudad Bolivar, dem südlichen Armenviertel von Bogotá, wo wir auf dem Hügel „Bella Flor“ durch die Sozialarbeit unseres Freundes Siegfried Striegel ständig gefordert waren (zuletzt durch den Ausbau des Gemeinschaftshauses des Vereins „Laudes Infantes“), gibt es nun staatliche Programme, durch die registrierte Vertriebene Hilfen für Beschäftigung, Ausbildung und Wohnungen erhalten. Die Regierung versucht außerdem, durch Stationierung von Sicherheitskräften in bedrohten Gemeinden des Inlandes den Menschen ein Verbleiben in ihrer Heimat zu gewährleisten und hat bereits mit der Rückführung etlicher Tausend Familien in befriedete Gebiete begonnen.

In unseren Projekten in Medellín und Bogotá spiegelt sich die veränderte Situation.
In Medellín hat die soziale Grundsicherung der armen Bevölkerung zu verstärkter Nachfrage nach Leistungen in der Krankenversorgung bei der Clínica Infantil Santa Ana dazu geführt. Es werden mehr Kinder behandelt, die z.T. länger im Hospital bleiben. Daher hat sich die Krankenhausleitung entschlossen, das alte Projekt des Ausbaus der Spielterrasse zu einem Spielraum zu verwirklichen. Dadurch wird für die Kinder und ihre Familienangehörigen ein geschützter Raum zum Spielen, Vorlesen, Filme ansehen und Musik hören geschaffen. Das Projekt wurde vom Vorstand bewillig und ist bereits in der Endphase. Wir erwarten täglich den Abschlußbericht.

Das Colegio Madre Adela hat die behördlliche Auflage bekommen, das in den neunziger Jahren auch mit unserer Hilfe eilig hochgezogene erste Schulgebäude erdbebensicher zu machen. Die Marianista-Schwestern beabsichtigten ohnehin, die Grundschule zu einer

 

Oberschule auszubauen und haben ein Nachbargrundstück erworben, auf dem jetzt ein neues Schulgebäude entstehen soll. Mit Hilfe des Mutterhauses, eigener Ersparnisse und unserer Unterstützung wird nun das neue Schulgebäude errichtet. Für die Einrichtung kommt das Kindermissionswerk in Aachen in Betracht. Die Kinder sollen zum neuen Schuljahr, d.h. ab Februar nächsten Jahres, das alte Gebäude verlassen, das dann nachgerüstet wird. Zunächst werden die dort vorhandenen Einrichtungen mitgenommen. Im Jahr 2006 haben wir neunzehn Kindern mit einem Stipendium geholfen. 2007 werden es achtzehn sein.

Stipendien gingen auch an die Waisenkinder der Da. Esperanza, die von Siegfried Striegel betreut werden. Es sind dies noch Daisy (18) und die elfjährige Erika.

Für die verwaisten Enkelkinder der medelliner Bettlerin Estella Salazar wurden wieder Stipendien von Miriam Wagner beantragt. Miriam betreut auch den hochbegabten Wilson Botero, der auf ihr Anraten für sein letztes Informatik-Studienjahr einen Kredit von uns erhält.

Im Mai 2006 erschütterte uns der Hilferuf von Andrés Felipe Tangarife (13), ein Enkel der Estella Salazar. In einem Dankesbrief an die Haidwaldschule in Maxdorf bat er darum, ihm wegen seiner Wachstumsstörungen eine Hormonbehandlung zu ermöglichen. Die Kinder der Haidwaldschule unternahmen alle Anstrengungen, die erbetenen 3000 Euro zu sammeln. An einem Samstag putzten sie den Maxdorfern die Schuhe und halfen beim Verstauen von Einkaufstüten – wie die Straßenkinder in Kolumbien. Großzügig spendeten die Maxdorfer ihnen für diese Dienstleistungen mehr als tausend Euro. Weitere zweitausend Euro kamen durch die Benefizveranstaltung zum Thema Kolumbien am 13. Juni d.J. zustande. (s. Pressemitteilungen in unserem Internet-Auftritt)
Leider konnten wir Andrés Felipe nicht helfen. Die aus Medellín übersandten Röntgenaufnahmen und Arztberichte ergaben als Diagnose eine metaphysäre Chondrodysplasie Typ Jansen, d.h. eine genetisch bedingte Kleinwüchsigkeit. Der von uns konsultierte Kinder-Endokrinologe, Prof. Markus Bettendorf von der Universitätsklinik Heidelberg bestätigte, daß bei diesem Krankheitsbild eine Hormon-Behandlung aussichtslos ist. Er riet zur psychologischen Betreuung des Kindes, besonders während der Pubertätszeit. Da die Schulleistungen des Kleinen sehr gut sind, wird er nach Ansicht aller Beteiligter seinen Weg machen.

Unser Vereinsmitglied Karin Schramm hat auch in diesem Jahr wieder eine größere Spendensumme mit viel Mundpropaganda und ihren köstlichen Marmeladen erworben. Mit Gisela Weimann und ihrem Schulorchester setzt die Maxdorfer Haidwaldschule die traditionelle Unterstützung für unseren Kinderverein fort. Das Ergebnis der Maxdorfer „Kolumbientage“ (3000 Euro) unter Schirmherrschaft unseres Mitglieds Theo Hauck ist ein Zeichen für die Hilfsbereitschaft der Maxdorfer Bevölkerung.

Allen Förderern unseres Hilfswerks sagen wir im Namen der Schulkinder ein herzliches Dankeschön.

Die 33 Mitglieder unseres Freundeskreises finanzieren nach wie vor alle Vereinsausgaben und auch in diesem Jahr bleibt das Meiste aus diesem Topf für die Kinderprojekte übrig. Es ist uns ein Anliegen erneut zu bestätigen, daß jeder gespendete Euro direkt in die Projektarbeit fließt.

Im Namen des Vorstands
gez. Irene Roemer

für die Zeit vom
23. November 2004 bis 28. November 2005

Kolumbien ist neben Israel und Ägypten inzwischen der größte Empfänger von US-Militärhilfe. Für den "Plan Colombia" sind seit dem Jahr 2000 drei Milliarden US-Dollar im Dschungekrieg und für alternative Ernten der Drogenanbauer verausgabt worden. Die Vernichtung von riesigen Flächen mit Koka-Plantagen hat die Kokainproduktion zwar geschwächt, aber nicht beendet. Die Kokabauern weichen auf kleinere Anbauflächen aus. Man schätzt den Weltmarktpreis der Kokainproduktion in Kolumbien auf 11,5 Milliarden Euro pro Jahr. Neu ist die Heroinproduktion durch Schlafmohnanbau.

Das Geschäft läuft nicht nach nationalstaatlichen Regeln. Internationale Agenten sowie die Drogenkartelle haben alle Institutionen, auch die Guerrilla und die Paramilitärs, mit Drogengeld durchdrungen. Die größte Guerrillagruppe FARC hält nach wie vor 15.000 Aktivisten unter Waffen. Die rechtsgerichteten Paramilitärs AUC (Autodefensas Unidas Colombianas) haben ihre 20.000 Kämpfer zwar teilweise demobilisiert, doch noch nicht in die Zivilgesellschaft integriert. Opfer der permanenten Gewalt finden sich nicht nur unter der Zivilbevölkerung, sondern auch unter den Tausende von verstümmelten Söldnern und Soldaten. Die Landbevölkerung ist nach wie vor auf der Flucht in die Städte und vergrößert dort die Probleme.

Trotzdem gibt es Hoffnung für Kolumbien. Im Oktober d.J. hat der Verfassungsgerichtshof eine Verfassungsänderung zugelassen, die es Präsident Álvaro Uribe erlaubt, sich erneut für vier Jahre zur Wahl zu stellen. Seine Popularität ist ungebrochen. 70% der kolumbianischen Wähler stehen hinter seiner Politik der harten Hand und der erfolgreichen Wirtschaftsreformen. Deshalb gilt seine Wiederwahl als sicher.

Unsere Arbeit in Kolumbien profitiert von der gestiegenen Sicherheit in den städtischen Gebieten, von der wir Ihnen bereits berichtet haben. Das Straßenkinderproblem selbst ist seit langem erkannt, doch die staatlichen Möglichkeiten, es zu bekämpfen, sind aufgrund der fehlenden Finanzmittel begrenzt. Immer wieder greift die staatliche Wohlfahrt ( Bienestar Familiar) deshalb auf gemeinnützige Institutionen zurück, um verlassene, kranke und verwahrloste Kinder von der Straße zu retten. Eine dieser Institutionen haben wir in diesem Jahr neu in unsere Förderung aufgenommen: ACARPIN, ein Verein in Medellín , der von einigen sozialbewußten Vertretern der Wirtschaft und Fachleuten der Pädagogik und Psychologie getragen wird. Durch ASPA angeregt, hat sich die Leiterin Gladys Cristina Díaz an uns mit der Bitte um pädagogisches Spielmaterial und Musikinstrumente für 80-100 Straßenkinder gewandt, der wir stattgegeben haben. Das Projekt ist bereits abgewickelt. Es liegen eine Fotodokumentation und eine genaue Abrechnung vor.

Unser großes Projekt 2004/05, der Ausbau des Gemeinschaftshauses des Vereins "Laudes Infantis" im Armenviertel Bella Flor im Süden Bogotás , für das die große Kabarett-und Comedy-Gala im Oktober 2004 veranstaltet wurde, ist fast abgeschlossen. Es wurde zusammen mit dem Kindermissionswerk in Aachen durchgeführt, dessen neuer Sachbearbeiter für Kolumbien, Omar Fino, es vor Ort begutachtet hat. Nun warten wir auf seinen Bericht und auf die letzte Abrechnung über die Bedachung und den Ausbau der Obergeschosse.

Im Landkindergarten (42 Kinder) der deutschen Farmerin Christine Noack im kalten Hochland von Subachoque , 70 km nördlich von Bogotá, haben wir die Kindergärtnerin Viviana finanziert und dazu beigetragen, daß die Sickergrube erneuert werden konnte. Zudem haben wir mit einer kleinen Beihilfe Frau Noack ermöglicht, den Arzt in dem von ihr errichteten Gesundheitsposten für den Rest des Jahres zu bezahlen.

Unser Dauerprojekt, die Armenschule Colegio Madre Adela der spanischen Marianista-Schwestern in Bogotá , wurde wieder mit 19 Stipendien unterstützt. Die Schwestern haben das im vorigen Jahr geplante Projekt eines Heims für fünfzehn Flüchtlingsmädchen zurückgestellt und planen dafür den Ausbau der jetzigen Vor- und Grundschule zu einer Oberschule. Dazu ist noch in diesem Jahr der Kauf eines kleinen Nachbarhauses geplant, bei dem wir behilflich sein sollen.

Für die Betreuung jugendlicher Strafgefangene r hat Schwester Dolores erneut eine geringe Summe erbeten, mit der Material für die Artesanía-Werkstatt gekauft werden soll. Ein Produkt dieser Gruppenarbeit wird in unserer Mitgliederversammlung vorgestellt.

In diesem Berichtsjahr haben wir keine neuen Investitionen für die Armenklinik Sta. Ana in Medellín bewilligt. Die Maßnahmen des Jahres 2004 wurden erst im Mai 2005 abgerechnet. Einen kostspieligen Antrag (rd. 35.000 Eur) für ein Programm zur Rettung von Frühgeborenen mußten wir ablehnen, da er unsere finanziellen Möglichkeiten übersteigt.

Miriam Wagner hat erneut um Unterstüzung der Bettlerin Estella Salazar gebeten, die jetzt für vier verwaiste Enkel sorgen muß, nachdem sie mühsam die eigenen Kinder großgezogen hat. Ihre 22-Jährige Tochter Diana möchte zudem einen Abschluß als Kauffrau machen. Bis jetzt konnte sie durch den Verkauf von selbstgemachten Pasteten auf der Straße ihren und der Familie Unterhalt bestreiten. Seit diesem Jahr ist diese Verdienstmöglichkeit jedoch durch eine neue Verordnung der Stadtverwaltung gegen den ambulanten Handel hinfällig. Deshalb will Diana ihre unterbrochene Ausbildung beim SENA beenden.

Der seit zwei Jahren von uns geförderte Wilson Botero hat um ein Stipendium für sein letztes Ausbildungsjahr als IT-Fachmann gebeten. Auch er wird von Miriam Wagner betreut.

Zwei der vier Waisenkinder der Esperanza Sanchez (+ 1997), Daisy und Erika, brauchen noch ein Stipendium. Sie werden weiter von Siegfried Striegel in Chia "bevatert". Joana hat ihre Schneiderlehre beendet und sucht sich Arbeit. Diego arbeitet noch bei seinem Pflegevater, der ein kleines Baugeschäft betreibt. Er muß jetzt zum Militärdienst.

In diesem Jahr hat unser Vereinsmitglied Karin Schramm wieder mit dem Verkauf ihrer köstlichen Marmelade und dank der Spenden aus ihrem Freundeskreis, die z.T. durch den Verzicht auf Geburtstagsgeschenke zustande kommen, eine ansehnliche Summe überwiesen. Auch Gisela Weimann , unsere Vereinsfreundin aus Maxdorf, hat erneut mit dem Schulkonzert der Maxdorfer Grundschule dazu beigetragen, daß "arme Kinder in Kolumbien" in die Schule gehen können.

Allen Spendern und Förderern unserer Kinderhilfe sagen wir ein herzliches "Diós le pague" = Vergelt's Gott.

Unsere Mitgliederzahl liegt weiterhin bei 33. Die Beiträge finanzieren nach wie vor alle Vereinsausgaben und es bleibt wie jedes Jahr noch ein schöner Betrag für unsere Projektarbeit übrig. Das bedeutet, daß jede Spende von außen ungeschmälert in unsere Kinderarbeit einfließt.

Im Namen des Vorstandes

gez. Irene Roemer

ASPA = Asociación Antiqueña de Profesionales con Estudios en Alemania, die kolumbiansiche Rückkehrer-vereinigung von Akademikern, die in Deutschland studiert haben.

 

 

 

für die Zeit vom
10. Dezember 2002 bis 1. Dezember 2003


Nach der verlorenen Volksbefragung vom 26. Oktober 2003 ist Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe in einer schwierigen Lage. Er hatte sich von dem Referendum die dringend benötigte Stärkung seiner Regierungsmacht erhofft. Das politische System ist in sich bekämpfende Fraktionen zerfa1mterschacher als von Regierungsverantwortung. Uribes Politik der "harten Hand" gegenüber den Aufständischen im Land wird von vielen Parlamentariern nicht geteilt. Aus eigensüchtigen Gründen bleiben Senatoren und Abgeordnete den Abstimmungen über Reformprojekten fern. So ist das Schicksal der Steuerreform, die der Staatskasse über 700 Millionen Dollar ersparen sollte, ungewiß. Für die vom Staatspräsidenten gewünschte Wiederwahlmöglichkeit für weitere vier Jahre ist gegenwärtig keine Mehrheit zu erwarten.

Völlig unvorbereitet trifft nun  Parlament und Regierung  die im Friedensprozeß angestrebte Demobilisierung der gefürchteten rechtsgerichteten Paramilitärs (AUC), die Ende November in Medellín mit 870 Mann begonnen hat. Gesetze zu einer Wiedereingliederung vormals illegaler bewaffneter Gruppierungen sind nicht vorhanden. Auch die Zivilgesellschaft wurde durch die Niederlegung der Waffen der Paramilitärs überrascht. Bis Ende 2005 wollen alle 13.000 Kämpfer in den Friedensprozeß aufgenommen sein. Noch weiß niemand, wo sie unterkommen und wie die Bußen aussehen sollen, die für die z.T. schweren Straftaten der Aufständischen wenigstens symbolisch auferlegt werden müßten. Beobachter befürchten, daß aufgrund der fehlenden Sozialprogramme die friedensbereiten Kämpfer wieder im Untergrund landen. Aus unseren Projekten in Kolumbien, die alle in Städten abgewickelt werden, hören wir, daß sich zwar die Sicherheitslage gebessert hat, doch daß die wirtschaftliche Not aufgrund des andauernden Kriegszustandes und der vielen Landflüchtlinge gestiegen ist.  Besonders betroffen sind Familien, die durch den Mangel an Arbeitsplätzen, dem vorübergehenden Versiegen der staatlichen Fürsorge und oft schwerer Krankheiten dringend auf private Hilfe angewiesen sind. Daher steigt die Zahl der Stipendienanträge. Waren es bisher 23, werden es 27 Kinder für 2004 sein, die  unsere Unterstützung brauchen. (Im Jahr 2001 hatten wir nur 12 Stipendiaten). Achtzehn werden von den Marianista-Schwestern des Colegio Madre  Adela in Bogotá gefördert. Die erschütternde Beschreibung der Stipendienanwärter werden wir ins Internet stellen.  Auf Bitte von Luisa Quintero, der ehemaligen Leiterin des Landjugendinternats in Titiribí (1996 mit unserer Hilfe ins Leben gerufen), haben wir die sechzehnjährigen Zwillinge wilmar und WilsonZwillinge Wilmar und Wilson für ihr letztes Jahr vor dem Abitur in unser Programm aufgenommen. Ihr Internat "Santo Domingo Sabio" in Itaguí kämpft um seine Existenz und kann sie nicht gratis aufnehmen. Zu ihrem Glück hat sich Miriam Wagner, unsere Vertrauensfrau von ASPA (Rückkehrervereinigung der Studenten, die in Deutschland studiert haben: Asociación Antioqueña de Profesionales con Estudios en Alemania), entschlossen, sie zusammen mit den Stipendiaten der Familie Salazar zu betreuen. Familie Esperanza 1997Unser Freund Siegfried Striegel kümmert sich nach wie vor um die vier Waisenkinder der Doña Esperanza (+ 1997). Die sechsjährige Erika wurde ihm Anfang d.J. zurückgebracht, da ihrem Pflegevater Organista das Taxi geraubt worden war. Organista verließ  daraufhin Bogotá und kehrte  mit seiner  Familie in sein Heimatdorf zurück. Erika ist jetzt im zweiten Schuljahr und lebt in Chia im Internat mit ihrer Schwester Daisy (15).Gute Erfolge zeigen sich bei der privaten Armenkinderklinik Santa Ana. Sie kann u.a. auch durch  unsere Förderung die staatlichen Auflagen erfüllen, die ihr die Aufnahme von mehr Kassenpatienten, und damit höhere Einnahmen, ermöglicht. Wir haben Sanierungsmaßnahmen (z.B. bei den Wassertanks) und die Anschaffung von Infusionsgeräten und Instrumenten finanziert. Jetzt sind die räumlichen und personellen Kapazitäten besser ausgelastet und es bleiben der Klinik  Mittel zur Durchführung des Rettungsprogramms für unterernährten Kleinkinder, das von keiner Krankenkasse bezuschußt wird und das sehr teuer ist (870 Dollar pro Monat und Kind): Auch Schwester Christel Müller in Pereira ist glücklich über die Hilfe zur Sanierung des maroden Gebäudes des Kinderhorts im Vorort Dosquebradas. Mit vereinten Kräften haben das Kindermissionswerk in Aachen und wir Mittel zur Beseitung von Feuchtigkeitsschäden am Gebäude, für Regenrinnen und Drainagen bereitgestellt. In dem mit unserer Hilfe erworbenen Internat des Medelliner Vereins Pan de Vida wachsen sechzehn Mädchen aus dem Slum Niquitao heran, deren Heimat die Straße war. Alle haben das Schuljahr mit gutem Erfolg beendet. In diesem Jahr wurden die von der Staatlichen Fürsorge "Bienestar Familiar" geforderten zusätzlichen sanitären Anlagen von uns finanziert. Dadurch kann das Internat ab 2004 zwanzig Mädchen aufnehmen und wird  in die Förderung der staatlichen Wohlfahrt übernommen. Das Colegio Madre Adela in Bogotá hat im Jahr 2003 Sonnenschutzblenden erhalten und zugleich eine Bücherspende für die Bibliothek. Diese kam durch die Flohmarktaktion zweier Maxdorfer Grundschulklassen zustande. Kindergarten Los MusicantesNeu in unserem Programm ist der Kindergarten Los Musicantes der deutschen Farmerin Christine Noack in Subachoque bei Bogotá. Frau Noack bietet den ärmsten Kindern aus der Umgebung ihrer kleinen Viehfarm eine Kindergartenbetreuung. Mit der Übernahme des Jahreslohnes für eine ausgebildete Kindergärtnerin sichern wir 25 Kindern eine Vorschulerziehung. Im Berichtszeitraum haben wir wieder große Unterstützung von den Maxdorfer Grundschulen erhalten. Dies ist dem unermüdlichen Einsatz unseres Mitglieds, der Musiklehrerin Gisela Weimann, zu verdanken. Auch Karin Schramm hat mit ihrem Frauenarbeitskreis und dem Verkauf von rund 2000 Gläsern selbstgemachter Marmelade den Schulbesuch vieler Kinder in Kolumbien gesichert. Eine freudige Überraschung war für uns alle der Erfolg der Sammlung zum 25-jährigen Praxisjubiläum von Dr. Ekkehard Rähmer. Das Ergebnis ermöglicht eine größere Investition im näcu besuchen! (Adresse im Briefkopf) Im Berichtszeitraum haben wir drei neue Mitglieder aufgenommen. Gisela Bercio leistet uns u.a.  wertvolle Hilfe bei der Übersetzung der Kinderbriefe, etwa an die Sternsinger, die uns in Neuostheim eine große Summe ersungen haben.Mit den Beiträgen der nunmehr 33 Mitglieder können wir alle Unkosten des Vereins abdecken, ein großer Teil bleibt dabei sogar noch für unsere Kinderarbeit in Kolumbien. Das bedeutet: Jeder gespendete Euro geht wie bisher ungeschmälert in unsere Projekte.

Im Namen des Vorstandes:
gez. Irene Roemer

 

für die Zeit vom
10. November 2000 bis 9. Dezember 2002

Da wir im Tätigkeitsbericht des Vorjahres und im Zwischenbericht vom August 2002 die politische Lage in Kolumbien dargestellt haben, wird in diesem Zwei-Jahres-Bericht darauf verzichtet, zumal sich die Bürgerkriegssituation nicht gebessert hat und die Vertreibung der Landbevölkerung in die Städte weiter zunimmt.

Das bedeutet für uns als Straßenkinderverein, daß wir nicht aufgeben können. Der Vorstand hat sich daher bereit erklärt, in der bisherigen Besetzung die Arbeit fortzusetzen.

In den Berichtszeitraum der letzten zwei Jahre fallen die Mola-Aktivitäten des Ehepaars Roemer, die Benefiz-Veranstaltungen der Maxdorfer Grundschulen, das Friedenskonzert mit Wilma Rueda am 14. November 2001. Zur Finanzierung unserer Projekte trägt die kontinuierliche Mitarbeit unseres Mitglieds Karin Schramm wesentlich bei, die mit ihren Marmeladenaktionen und der ständigen Opferbereitschaft ihres Frauenarbeitskreises auf der Rheinau Jahr für Jahr Stipendien für viele Kinder ermöglicht. Zwei Geburtstagsspenden unserer Mitglieder Renate und Michael Schröder sowie eines neuen Förderers aus dem Raum München haben uns außergewöhnliche Geldeingänge beschert. Allerdings sind die Rücklagen des Berichtszeitraums im wesentlichen verbraucht, sodaß wir uns intensiver um Spendengelder bemühen müssen.

Unter den gegenwärtigen Kriegsbedingungen arbeiten unsere Freunde in Kolumbien unermüdlich für die notleidenden Kinder der Vertriebenen und Armen.

Von der Armenkinderklinik Santa Ana in Medellín kam ein Antrag, in dem um Hilfe für die Errichtung von Mutter-Kind-Einheiten in den großen Schlafsälen gebeten wurde. In diesen Räumen sollen kleine Kinder in der vor- und nachoperativen Phase durch ihre eigene Mutter gepflegt werden. Die Kosten übernehmen die Krankenkassen, was eine sichere Einnahme für das Kinderkrankenhaus bedeutet. Wir haben diese Investition gemeinsam mit dem Kindermissionswerk finanziert. Vor Beginn der Umbauarbeiten mußten wir zusätzlich dazu beitragen, daß die durch defekte Regenrohre und Drainagen verursachte Feuchtigkeit in den Außenwänden beseitigt wurde.
Einem Antrag der Klinik auf Unterstützung des Rettungsprogramms für unterernährte Kleinkinder konnten wir auf Grund der sehr hohen Kosten nicht nachkommen.
So hoffen wir, daß mit den Einnahmen der Mutter-Kind-Station und der vor zwei Jahren auch von uns geförderten Impfstation mehr vom Hungertod bedrohte Kleinkinder aufgenommen werden können. Das Rettungsprogramm wird von keiner Institution in Kolumbien bezuschußt.

Das große Projekt der letzten zwei Jahre, das Mädchenwohnheim für Straßenkinder von Niquitao/Medellín, ist inzwischen dank des gemeinschaftlichen Einsatzes unserer Kinderhilfe und des Kindermissionswerkes in Aachen gekauft worden und bietet z.Zt. etwa sechzehn Kindern Schutz und die Möglichkeit, zur Schule zu gehen. Da die staatliche Fürsorge keine Beihilfen zum Lebensunterhalt geben kann, müssen die ehrenamtlichen Helferinnen des Vereins Pan de Vida durch eine Art Party-Service für den Unterhalt der Kinder sorgen. Deshalb sind zunächst die Pläne für den Ausbau der Einrichtung zurückgestellt worden.

Die von uns seit 1995 geförderte Aufbauschule Colegio Madre Adela der spanischen Marianista-Schwestern in Bogotá hat im Berichtszeitraum Hilfen für Lehrmaterial, Musikinstrumente, Schulmöbel, technisches Gerät und zur Ausstattung der Bibliothek erhalten. Die Schule hat ein integrales Programm und bietet Freizeitaktivitäten für die Kinder und Kurse für die Eltern an.

Das Stipendienprogramm mußte von zwölf auf 23 Kinder erhöht werden, weil Not und Arbeitslosigkeit immer mehr Familien betrifft und Flüchtlinge mit ihren Kindern immer häufiger um Aufnahme bitten. Über die Soforthilfe für Doña Maria Luisa aus den Llanos Orientales, die mit ihren fünf Kindern unter der Obhut der Marianista-Schwestern steht, haben wir Ihnen im Sommer berichtet. Alle fünf Kinder hatten noch nie eine Schule von innen gesehen und machen jetzt gute Fortschritte. Nur die neunjährige Lorena hat in ihrem ersten Schuljahr Schwierigkeiten beim Rechnen.
Auch die von Siegfried Striegel in Chia bei Bogotá betreuten vier Waisenkinder der Doña Esperanza Sánchez, die wir seit dem Tod der Mutter 1997 fördern, machen gute Fortschritte. Joana hat in diesem Jahr das Abitur bestanden und erhält eine Ausbildung, Erika geht im nächsten Jahr in die Schule.
Andrés Felipe und Diego Alejandro, die wilden Enkelsöhne der Medellíner Bettlerin Da. Estela sind gute Schüler geworden und kommen bereits in die fünfte Klasse. Sie erinnern sich vielleicht an unseren Bericht darüber, daß ihre Mutter auf der Straße erschossen wurde, weil man ihr ein Kettchen rauben wollte. Die jüngste Tochter von Doña Estela, Julieth, erbringt sehr gute Leistungen in der Schule und soll nach dem Abitur vom SENA zur Computer-Fachfrau ausgebildet werden. Füre diese Familie trägt unserer Freundin Miriam Wagner die Verantwortung. Sie fliegt seit ihrem Umzug nach Deutschland regelmäßig nach Medellín, um ihr dortiges Reisebüro weiter zu betreiben.

Auch Schwester Christel Müller hat um Hilfe für die Schutzbefohlenen an ihrem neuen Einsatzort im Erdbebengebiet bei Pereira gebeten, wo sie seit Anfang 2001 in der Obdachlosenhilfe tätig ist. Sie betreut dort den bischöflichen Hort für Kinder aus Arbeiterfamilien. Dank unserer Förderer konnten wir zwei Herde und eine Büroeinrichtung für die vier Schwestern ihres Ordens zur Verfügung stellen.

Es ist dem Einsatz unseres Mitglieds Dr. Marian Dürr zu verdanken, daß unsere Kinderhilfe im Internet ansprechend präsentiert wird. Wir bitten Sie, hin und wieder unter der im Briefkopf angegebenen Internetadresse unsere neuen Projekte zu besuchen.

Gegenwärtig hat unser Freundeskreis dreißig Mitglieder, davon sind zehn Förderer. Durch die Mitgliedsbeiträge werden alle Kosten des Vereins mehr als gedeckt. Das bedeutet, daß jeder Spenden-Euro ungeschmälert in unsere Projektarbeit fließt.

Im Namen des Vorstands

gez. Irene Roemer


AS 27.11.2011