Für die Zeit vom 28. November 2006 bis 15.Dezember 2008
Aus Kolumbien erreichen uns gute und schlechte Nachrichten.
Die guten betreffen die zunehmend bessere Sicherheits- und Wirtschaftslage , die mit den militärischen Erfolgen der Regierung und der Schwächung der FARC-Rebellen einhergeht. Die Befreiung der entführten Franco-Kolumbianerin Ingrid Betancourt hat die ganze Welt aufatmen lassen.
Die schlechten Nachrichten beziehen sich auf die immer noch bewaffneten Paramilitärs, von denen nur ein Teil ins Zivilleben zurückgekehrt ist und die auf eigene Faust kriminelle Akte wie in der Vergangenheit verüben. Ihre Verbindungen reichen bis in das gewählte Parlament und in den Staatsapparat. Die ganz besonders schlechten Nachrichten sind klimabedingt: es soll seit achtzehn Monaten ununterbrochen regnen , ganze Dörfer sind durch Bergrutsche verschüttet und es kann nicht geerntet werden.
Auch die Bauwirtschaft liegt brach. In Medellín sind der Stadtverwaltung die flußnahen Grundstücke weggeschwemmt worden, die für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen waren. Dadurch wurde die Zusage für eine eigene Wohnung für Da. Estella Salazar und ihre vier Enkel durch das städtische Wohnungsprogramm hinfällig.
Unsere Projektarbeit hat sich in den letzten beiden Jahren auf größere Vorhaben konzentriert: einmal auf die Errichtung des erdbebensicheren neuen Schulhauses der spanischen Marianista-Schwestern und seiner Einrichtung in Bogotá , das 2008 bezogen werden konnte, und zum anderen auf die Friedensarbeit des Paters Giovani Présiga , die mehr als 3000 Kinder und Jugendliche erreicht. Pater Giovani versucht als rechte Hand des Erzbischofs von Santa Fe de Antioquia die Jugend des kriegsgeschüttelten Westens von Antioquia auf dem Lande zu behalten und führt dazu mit seinen Helfern vielverspre-chende kulturelle, pädagogische und technische Programme durch. Wir unterstützen ihn dabei mit Hilfe der Sternsingerkinder aus Mannheim-Neuostheim und Maxdorf. ( s. Projekte
1 und 3 /2008)
Unsere alte Freundin Schwester Maria Teresa Mejía, mit der wir vor neun Jahren das Landjugendinternat in Tititiribí ins Leben gerufen haben, hat sich in ihrem Ruhestand so weit erholt, dass sie zusammen mit ihrem Konvent vom Guten Hirten Flüchtlingskindern auf
den Straßen der Großstadt Palmira (Cauca-Tal) Zuflucht und Betreuung in den Räumen der Ordensgemeinschaft bietet. Wir haben ihr gerade Stipendien, Computerkurse und Einrichtungsgegenstände für den Leseraum bewilligt. ( s. Projekt 2 /2008 )
Nach wie vor beschäftigen uns die etwa dreißig Stipendiaten , denen wir den Schulbesuch ermöglichen. Unser Freund Siegfried Striegel hat in diesem Jahr nur noch die zwölfjährige Erika betreut. Sie war das Baby der im Jahr 1996 verstorbenen Esperanza Sánchez. Die anderen Kinder sind erwachsen und leben in normalen Verhältnissen. Die Marianista-Schwestern fördern weiter 25 mittellose Kinder im Colegio Madre Adela, das jetzt zu einem Aufbaugymnasium ausgebaut wird.
Wilson Botero , der Zwilling, dem wir vor einigen Jahren zusammen mit seinem Bruder das Abitur ermöglicht haben, ist inzwischen diplomierter IT-Ingenieur und hat den von uns gewährten Studienkredit zurückgezahlt.
Große Sorgen bereitet uns die von Miriam Wagner betreute Estella Salazar mit ihren vier verwaisten Enkeln. Letztere waren bisher in einem Internat der Salesianer untergebracht. Im letzten Jahr hat die dortige Internatsleitung die Aufnahmebedingungen geändert, ältere Schüler werden nicht mehr aufgenommen. So kamen alle vier Jugendlichen in das kleine Zimmer der schwer kranken Großmutter und gingen von dort weiter in ihre alten Schulen.
Ihre Leistungen haben sehr nachgelassen. Zur Zeit versuchen wir zu klären, warum die staatliche Fürsorge (Bienestar Familiar) die Familie nicht unterstützt. Die von der Stadt zugesagte Wohnung ist, wie oben erwähnt, „ins Wasser gefallen“. So haben wir der Familie zusätzlich eine Mietzuwendung in Höhe von eintausend Euro geben müssen. Die Enge und die Krankheit der Großmutter haben den 14-jährigen Enkel Wilmar Alexander so bedrückt, dass er das Haus verlassen hat. Monatelang wußte niemand, wo er war, auch die Schule nicht. Doch jetzt ist er wieder aufgetaucht und lebt in der Familie. Wir fördern alle vier Kinder auch 2009.
Im Jahr 2008 haben wir vielfältige Hilfe für unsere Projekte erhalten: die Haidwaldschule und ihre Kinder haben uns am „Kolumbientag“ wieder eine schöne Summe erspielt und mit Schuheputzen und Taschentragen „erarbeitet“. Unser Mitglied Karin Schramm und ihr Bekanntenkreis sowie viele langjährige Förderer überraschen uns immer wieder mit großzügigen Gaben. Unser neues Mitglied Frank Holler hat zu seinem 40. Geburtstag auf Geschenke zu unseren Gunsten verzichtet und Dr. Rähmer hat sein Fest zum dreißigjährigen Bestehen seiner Praxis unter das Motto „Strassenkinderhilfe Kolumbien“ gestellt.
Vor Kolumbien liegt jetzt die mühevolle Arbeit des Wiederaufbaus gemeinschaftlicher Werte, die die Spirale von Gewalt und Rache lösen müssen. Viele traumatisierte Kinder bedürfen der Therapie durch liebevolle Menschen. Wie Pater Présiga und seine Organisation CARED bemühen sich auch andere Organisationen, z.B. „Germen de Paz“ in Medellín, um eine nachhaltige Friedensarbeit. Dabei wollen wir sie begleiten.
Unser kleiner Verein hat gegenwärtig 35 Mitglieder, die mit ihren Beiträgen das Spendenaufkommen aufstocken. Wir sind unseren Freunden und Förderern zutiefst für die jahrelange Unterstützung dankbar und grüßen Sie mit allen guten Wünschen für 2009.
Im Namen des Vorstands
gez. Irene Roemer
(1. Vorsitzende)
Zwischenbericht über unsere Tätigkeit in Kolumbien 2008
Liebe Freunde und Mitglieder unserer Strassenkinderhilfe Kolumbien,
Die guten Nachrichten aus Kolumbien über die zunehmenden militärischen Erfolge der Regierung Uribe führen hoffentlich dazu, dass die kolumbianische Regierung mehr Mittel und Kräfte für den Aufbau des Friedens im Lande zur Verfügung hat. Die gute gesamtwirtschaftliche Lage der letzten Jahre hat sich fortgesetzt. In den Städten ist die Sicherheitslage zum ersten Mal seit vielen Jahren normal, was auch unseren Hilfsprogrammen zugute kommt, allerdings hat auch die Inflation angezogen.
Neben der Weiterförderung unserer Stipendiaten haben sich die beiden Projekte dieses Jahres gut entwickelt. Pater Giovani Présiga hat die diesjährige Spende der Sternsinger von Maxdorf in der Diözese Santa Fe de Antioquia dazu verwandt, benachteiligte Kinder aus ländlichen Gegenden mit Schulbüchern und anderen Schulutensilien zu versehen und ihnen Programme zur Freizeitgestaltung innerhalb ihrer eigenen Tradition mit Musik und Tanz zu ermöglichen. Gegenwärtig hat er wegen des Dauerregens Schwierigkeiten mit den Transportwegen, da einige Dörfer weit im Landesinneren liegen.
Vom Colegio Madre Adela in Bogotá erwarten wir die Schlussabrechnung über den auch mit unserer Hilfe vollendeten Innenausbau des neuen erdbebensicheren Schulhauses. Sobald wir Fotos mit Innen- und Aussenansichten des Gebäudes haben, stellen wir diese ins Internet.
Von Schwester Teresa Mejía, mit der wir vor acht Jahren das Landjugendinternat in Titiribi ins Leben gerufen haben, kam ein Antrag auf ein Mädchenwohnheim in Palmira, wo sie ihren Lebensabend verbringt. Leider können wir diesem nicht entsprechen, da er unsere Mittel bei weitem übersteigt. (50.000 Dollar)
Auch in diesem Jahr hat uns die Haidwaldschule in Maxdorf mit ihren Kolumbienaktivitäten tat-kräftig unterstützt, unser Vereinsmitglied Frank Holler hat an seinem 50. Geburtsag Geld für unsere Projekte gesammelt und Herr Dr. Rähmer hat anläßlich des dreißigjährigen Bestehens seiner Praxis in Maxddorf zu Spenden zugunsten der Strassenkinderhilfe Kolumbien aufgerufen.
Von den begünstitgten Kindern und Institutionen in Bogotá, Medellín und Santa Fe de Antioquia haben wir große Dankbarkeit erfahren, die wir an Sie, unsere Freunde und Förderer, weitergeben möchten.
Im Namen des Vorstands
grüßt Sie herzlich
Ihre Irene Roemer
für die Zeit vom 29. November 2005 bis 27. November 2006
Vor dem Hintergrund eines allgemeinen Optimismus in Bezug auf die politische und wirtschaftliche Lage nach der Wiederwahl des erfolgreichen Staatspräsidenten Álvaro Uribe verunsichern widersprüchliche Meldungen die Beobachter Kolumbiens. Auf der einen Seite ist die Sicherheitslage in den Städten stark verbessert worden, die Frankfurter Allgemeine Zeitung nannte Bogotá am 13. Mai 2006 „eine der sichersten Metropolen weit und breit“, auf der anderen Seite hat die Regierung das Land immer noch nicht unter Kontrolle.
Neben der Stagnation in der Bekämpfung der linksgerichteten Terrorgruppe FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias Colombianas) bekommen die Erfolgsmeldungen über die Entwaffnung des einflußreichen Anführers der „Vereinten Selbstverteidigungskräfte“ (AUC), Jorge Cuarenta, einen Dämpfer. Gegen den Chef des „nördlichen Blocks“ ermittelt die Staatsanwaltschaft in Bezug auf den Wahrheitsgehalt der Waffenabgabe von 2.500 Kämpfern, deren Demobilisierung eine Farce zu sein scheint. In dem Laptop Cuarentas fanden die Ermittler folgenden Befehl: „Bereite sie auf die Waffenabgabe vor, damit sie wenigstens marschieren können und unsere Hymne kennen“. Bei den „Kämpfern“ scheint es sich um kurzfristig angeheuerte Außenstehende zu handeln! (Quelle: Torsten Otto am 18.10.2006 in Telepolis, „Alle Märkte stabil“).
Bereits in unserem letztjährigen Bericht haben wir das in den Medien groß aufgemachte Programm zur Rückkehr 20.000 Kämpfern in das Zivilleben dargestellt. Ein umfassendes Amnestiegesetz sollte die Befriedung des Landes erreichen. Inwieweit dies gelingt, müssen wir abwarten. In Medellín vermeldet jedenfalls die Stadtverwaltung gute Erfolge bei Umschulungen der jungen Paramilitärs. Was bedeuten solche Nachrichten für unsere Arbeit?
Der Bürgerkrieg geht auf dem Lande weiter. Nach wie vor suchen viele Flüchtlinge Schutz in den Städten. Im Gegensatz zu früher gibt es jetzt offizielle Hilfe: In Ciudad Bolivar, dem südlichen Armenviertel von Bogotá, wo wir auf dem Hügel „Bella Flor“ durch die Sozialarbeit unseres Freundes Siegfried Striegel ständig gefordert waren (zuletzt durch den Ausbau des Gemeinschaftshauses des Vereins „Laudes Infantes“), gibt es nun staatliche Programme, durch die registrierte Vertriebene Hilfen für Beschäftigung, Ausbildung und Wohnungen erhalten. Die Regierung versucht außerdem, durch Stationierung von Sicherheitskräften in bedrohten Gemeinden des Inlandes den Menschen ein Verbleiben in ihrer Heimat zu gewährleisten und hat bereits mit der Rückführung etlicher Tausend Familien in befriedete Gebiete begonnen.
In unseren Projekten in Medellín und Bogotá spiegelt sich die veränderte Situation.
In Medellín hat die soziale Grundsicherung der armen Bevölkerung zu verstärkter Nachfrage nach Leistungen in der Krankenversorgung bei der Clínica Infantil Santa Ana dazu geführt. Es werden mehr Kinder behandelt, die z.T. länger im Hospital bleiben. Daher hat sich die Krankenhausleitung entschlossen, das alte Projekt des Ausbaus der Spielterrasse zu einem Spielraum zu verwirklichen. Dadurch wird für die Kinder und ihre Familienangehörigen ein geschützter Raum zum Spielen, Vorlesen, Filme ansehen und Musik hören geschaffen. Das Projekt wurde vom Vorstand bewillig und ist bereits in der Endphase. Wir erwarten täglich den Abschlußbericht.
Das Colegio Madre Adela hat die behördlliche Auflage bekommen, das in den neunziger Jahren auch mit unserer Hilfe eilig hochgezogene erste Schulgebäude erdbebensicher zu machen. Die Marianista-Schwestern beabsichtigten ohnehin, die Grundschule zu einer
Oberschule auszubauen und haben ein Nachbargrundstück erworben, auf dem jetzt ein neues Schulgebäude entstehen soll. Mit Hilfe des Mutterhauses, eigener Ersparnisse und unserer Unterstützung wird nun das neue Schulgebäude errichtet. Für die Einrichtung kommt das Kindermissionswerk in Aachen in Betracht. Die Kinder sollen zum neuen Schuljahr, d.h. ab Februar nächsten Jahres, das alte Gebäude verlassen, das dann nachgerüstet wird. Zunächst werden die dort vorhandenen Einrichtungen mitgenommen. Im Jahr 2006 haben wir neunzehn Kindern mit einem Stipendium geholfen. 2007 werden es achtzehn sein.
Stipendien gingen auch an die Waisenkinder der Da. Esperanza, die von Siegfried Striegel betreut werden. Es sind dies noch Daisy (18) und die elfjährige Erika.
Für die verwaisten Enkelkinder der medelliner Bettlerin Estella Salazar wurden wieder Stipendien von Miriam Wagner beantragt. Miriam betreut auch den hochbegabten Wilson Botero, der auf ihr Anraten für sein letztes Informatik-Studienjahr einen Kredit von uns erhält.
Im Mai 2006 erschütterte uns der Hilferuf von Andrés Felipe Tangarife (13), ein Enkel der Estella Salazar. In einem Dankesbrief an die Haidwaldschule in Maxdorf bat er darum, ihm wegen seiner Wachstumsstörungen eine Hormonbehandlung zu ermöglichen. Die Kinder der Haidwaldschule unternahmen alle Anstrengungen, die erbetenen 3000 Euro zu sammeln. An einem Samstag putzten sie den Maxdorfern die Schuhe und halfen beim Verstauen von Einkaufstüten – wie die Straßenkinder in Kolumbien. Großzügig spendeten die Maxdorfer ihnen für diese Dienstleistungen mehr als tausend Euro. Weitere zweitausend Euro kamen durch die Benefizveranstaltung zum Thema Kolumbien am 13. Juni d.J. zustande. (s. Pressemitteilungen in unserem Internet-Auftritt)
Leider konnten wir Andrés Felipe nicht helfen. Die aus Medellín übersandten Röntgenaufnahmen und Arztberichte ergaben als Diagnose eine metaphysäre Chondrodysplasie Typ Jansen, d.h. eine genetisch bedingte Kleinwüchsigkeit. Der von uns konsultierte Kinder-Endokrinologe, Prof. Markus Bettendorf von der Universitätsklinik Heidelberg bestätigte, daß bei diesem Krankheitsbild eine Hormon-Behandlung aussichtslos ist. Er riet zur psychologischen Betreuung des Kindes, besonders während der Pubertätszeit. Da die Schulleistungen des Kleinen sehr gut sind, wird er nach Ansicht aller Beteiligter seinen Weg machen.
Unser Vereinsmitglied Karin Schramm hat auch in diesem Jahr wieder eine größere Spendensumme mit viel Mundpropaganda und ihren köstlichen Marmeladen erworben. Mit Gisela Weimann und ihrem Schulorchester setzt die Maxdorfer Haidwaldschule die traditionelle Unterstützung für unseren Kinderverein fort. Das Ergebnis der Maxdorfer „Kolumbientage“ (3000 Euro) unter Schirmherrschaft unseres Mitglieds Theo Hauck ist ein Zeichen für die Hilfsbereitschaft der Maxdorfer Bevölkerung.
Allen Förderern unseres Hilfswerks sagen wir im Namen der Schulkinder ein herzliches Dankeschön.
Die 33 Mitglieder unseres Freundeskreises finanzieren nach wie vor alle Vereinsausgaben und auch in diesem Jahr bleibt das Meiste aus diesem Topf für die Kinderprojekte übrig. Es ist uns ein Anliegen erneut zu bestätigen, daß jeder gespendete Euro direkt in die Projektarbeit fließt.
Im Namen des Vorstands
gez. Irene Roemer
für die Zeit vom
23. November 2004 bis 28. November 2005
für die Zeit vom
10. Dezember 2002 bis 1. Dezember 2003
Nach der verlorenen Volksbefragung vom 26. Oktober 2003 ist Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe in einer schwierigen Lage. Er hatte sich von dem Referendum die dringend benötigte Stärkung seiner Regierungsmacht erhofft. Das politische System ist in sich bekämpfende Fraktionen zerfa1mterschacher als von Regierungsverantwortung. Uribes Politik der "harten Hand" gegenüber den Aufständischen im Land wird von vielen Parlamentariern nicht geteilt. Aus eigensüchtigen Gründen bleiben Senatoren und Abgeordnete den Abstimmungen über Reformprojekten fern. So ist das Schicksal der Steuerreform, die der Staatskasse über 700 Millionen Dollar ersparen sollte, ungewiß. Für die vom Staatspräsidenten gewünschte Wiederwahlmöglichkeit für weitere vier Jahre ist gegenwärtig keine Mehrheit zu erwarten.
Völlig unvorbereitet trifft nun Parlament und Regierung die im Friedensprozeß angestrebte Demobilisierung der gefürchteten rechtsgerichteten Paramilitärs (AUC), die Ende November in Medellín mit 870 Mann begonnen hat. Gesetze zu einer Wiedereingliederung vormals illegaler bewaffneter Gruppierungen sind nicht vorhanden. Auch die Zivilgesellschaft wurde durch die Niederlegung der Waffen der Paramilitärs überrascht. Bis Ende 2005 wollen alle 13.000 Kämpfer in den Friedensprozeß aufgenommen sein. Noch weiß niemand, wo sie unterkommen und wie die Bußen aussehen sollen, die für die z.T. schweren Straftaten der Aufständischen wenigstens symbolisch auferlegt werden müßten. Beobachter befürchten, daß aufgrund der fehlenden Sozialprogramme die friedensbereiten Kämpfer wieder im Untergrund landen. Aus unseren Projekten in Kolumbien, die alle in Städten abgewickelt werden, hören wir, daß sich zwar die Sicherheitslage gebessert hat, doch daß die wirtschaftliche Not aufgrund des andauernden Kriegszustandes und der vielen Landflüchtlinge gestiegen ist. Besonders betroffen sind Familien, die durch den Mangel an Arbeitsplätzen, dem vorübergehenden Versiegen der staatlichen Fürsorge und oft schwerer Krankheiten dringend auf private Hilfe angewiesen sind. Daher steigt die Zahl der Stipendienanträge. Waren es bisher 23, werden es 27 Kinder für 2004 sein, die unsere Unterstützung brauchen. (Im Jahr 2001 hatten wir nur 12 Stipendiaten). Achtzehn werden von den Marianista-Schwestern des Colegio Madre Adela in Bogotá gefördert. Die erschütternde Beschreibung der Stipendienanwärter werden wir ins Internet stellen. Auf Bitte von Luisa Quintero, der ehemaligen Leiterin des Landjugendinternats in Titiribí (1996 mit unserer Hilfe ins Leben gerufen), haben wir die sechzehnjährigen Zwillinge Wilmar und Wilson für ihr letztes Jahr vor dem Abitur in unser Programm aufgenommen. Ihr Internat "Santo Domingo Sabio" in Itaguí kämpft um seine Existenz und kann sie nicht gratis aufnehmen. Zu ihrem Glück hat sich Miriam Wagner, unsere Vertrauensfrau von ASPA (Rückkehrervereinigung der Studenten, die in Deutschland studiert haben: Asociación Antioqueña de Profesionales con Estudios en Alemania), entschlossen, sie zusammen mit den Stipendiaten der Familie Salazar zu betreuen. Unser Freund Siegfried Striegel kümmert sich nach wie vor um die vier Waisenkinder der Doña Esperanza (+ 1997). Die sechsjährige Erika wurde ihm Anfang d.J. zurückgebracht, da ihrem Pflegevater Organista das Taxi geraubt worden war. Organista verließ daraufhin Bogotá und kehrte mit seiner Familie in sein Heimatdorf zurück. Erika ist jetzt im zweiten Schuljahr und lebt in Chia im Internat mit ihrer Schwester Daisy (15).Gute Erfolge zeigen sich bei der privaten Armenkinderklinik Santa Ana. Sie kann u.a. auch durch unsere Förderung die staatlichen Auflagen erfüllen, die ihr die Aufnahme von mehr Kassenpatienten, und damit höhere Einnahmen, ermöglicht. Wir haben Sanierungsmaßnahmen (z.B. bei den Wassertanks) und die Anschaffung von Infusionsgeräten und Instrumenten finanziert. Jetzt sind die räumlichen und personellen Kapazitäten besser ausgelastet und es bleiben der Klinik Mittel zur Durchführung des Rettungsprogramms für unterernährten Kleinkinder, das von keiner Krankenkasse bezuschußt wird und das sehr teuer ist (870 Dollar pro Monat und Kind): Auch Schwester Christel Müller in Pereira ist glücklich über die Hilfe zur Sanierung des maroden Gebäudes des Kinderhorts im Vorort Dosquebradas. Mit vereinten Kräften haben das Kindermissionswerk in Aachen und wir Mittel zur Beseitung von Feuchtigkeitsschäden am Gebäude, für Regenrinnen und Drainagen bereitgestellt. In dem mit unserer Hilfe erworbenen Internat des Medelliner Vereins Pan de Vida wachsen sechzehn Mädchen aus dem Slum Niquitao heran, deren Heimat die Straße war. Alle haben das Schuljahr mit gutem Erfolg beendet. In diesem Jahr wurden die von der Staatlichen Fürsorge "Bienestar Familiar" geforderten zusätzlichen sanitären Anlagen von uns finanziert. Dadurch kann das Internat ab 2004 zwanzig Mädchen aufnehmen und wird in die Förderung der staatlichen Wohlfahrt übernommen. Das Colegio Madre Adela in Bogotá hat im Jahr 2003 Sonnenschutzblenden erhalten und zugleich eine Bücherspende für die Bibliothek. Diese kam durch die Flohmarktaktion zweier Maxdorfer Grundschulklassen zustande. Neu in unserem Programm ist der Kindergarten Los Musicantes der deutschen Farmerin Christine Noack in Subachoque bei Bogotá. Frau Noack bietet den ärmsten Kindern aus der Umgebung ihrer kleinen Viehfarm eine Kindergartenbetreuung. Mit der Übernahme des Jahreslohnes für eine ausgebildete Kindergärtnerin sichern wir 25 Kindern eine Vorschulerziehung. Im Berichtszeitraum haben wir wieder große Unterstützung von den Maxdorfer Grundschulen erhalten. Dies ist dem unermüdlichen Einsatz unseres Mitglieds, der Musiklehrerin Gisela Weimann, zu verdanken. Auch Karin Schramm hat mit ihrem Frauenarbeitskreis und dem Verkauf von rund 2000 Gläsern selbstgemachter Marmelade den Schulbesuch vieler Kinder in Kolumbien gesichert. Eine freudige Überraschung war für uns alle der Erfolg der Sammlung zum 25-jährigen Praxisjubiläum von Dr. Ekkehard Rähmer. Das Ergebnis ermöglicht eine größere Investition im näcu besuchen! (Adresse im Briefkopf) Im Berichtszeitraum haben wir drei neue Mitglieder aufgenommen. Gisela Bercio leistet uns u.a. wertvolle Hilfe bei der Übersetzung der Kinderbriefe, etwa an die Sternsinger, die uns in Neuostheim eine große Summe ersungen haben.Mit den Beiträgen der nunmehr 33 Mitglieder können wir alle Unkosten des Vereins abdecken, ein großer Teil bleibt dabei sogar noch für unsere Kinderarbeit in Kolumbien. Das bedeutet: Jeder gespendete Euro geht wie bisher ungeschmälert in unsere Projekte.
Im Namen des Vorstandes:
gez. Irene Roemer
|